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Was macht die Nachbarschaft? – Wissens- und Erfahrungsaustausch der Umwelt zuliebe

Auf gute Nachbarschaft! Dieser Leitspruch gilt für freiwillige Zusammenschlüsse von benachbarten Betreibern wasserwirtschaftlicher Anlagen zu einer sogenannten „Nachbarschaft“ unter dem Dach der Vereinigung DWA. Die Aus- und Fortbildung von Betriebspersonal und ein Know-how-Austausch im regionalen Zuschnitt zur Förderung des Gewässerschutzes und für einen sicheren Anlagenbetrieb sind zentraler Zweck solcher Gemeinschaften. Ausrichter des jüngsten Nachbarschaftstages war der EVS.

 

Die DWA, die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V., ist in verschiedene Landesverbände gegliedert. Da der EVS hierzulande alleiniger Betreiber von Abwasseranlagen ist, bildet das komplette Saarland eine eigene Nachbarschaft innerhalb des Landesverbands Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland.

 

Kläranlagen-Nachbarschaften

Bundesweit zählt die DWA mittlerweile deutlich über 300 Kläranlagen-Nachbarschaften. Diese Urform der Nachbarschaften gibt es bereits seit vierzig Jahren. So spielen bei der Bildung dieser Einheiten – in der Regel aus 15 bis 20 Kläranlagen bestehend – spezifische regionale Aspekte auch eine größere Rolle als politische Grenzen.

 

Was macht einen guten Nachbarn aus?

Neben der allgemeinen Vermittlung von Wissen und Informationen über den aktuellen Stand der Forschung stehen bei den regelmäßigen Treffen vor allem auch der praxisnahe Austausch von Erfahrungen zu unterschiedlichen Betriebsfragen und die Vertiefung von persönlichen Kontakten zu den Fachkolleg*innen im Mittelpunkt. Den Kolleg*innen aus angrenzenden Regionen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sich gegenseitig wertvolle Anregungen und Tipps zu geben, bedeutet klassische Nachbarschaftshilfe im besten Sinne. Die Hilfe zur Selbsthilfe leistet auch einen Beitrag zum Einsparen von Kosten und zum Minimieren von Betriebsstillständen und kommt damit letztlich vor allem dem Umweltschutz zugute.

 

Fortbildung zum Thema Spurenstoffe

Schwerpunkt des jüngsten, vom EVS ausgerichteten Nachbarschaftstages zu dem auch die angrenzenden Nachbarschaften aus Rheinland-Pfalz eingeladen waren, war das Themengebiet „Spurenstoffe“. Die Fortbildungsveranstaltung mit rund 40 Teilnehmer*innen – Corona konform natürlich als Online-Format – startete mit einem Überblick über die verschiedenen Mikroverunreinigungen und -schadstoffe und deren Eintragungswege in Gewässer. Unterschiedliche Verfahrenstechniken der 4. Reinigungsstufe, also Methoden zum Herausfiltern von Kleinstpartikeln wie Medikamentenresten oder Industriechemikalien, wurden anschließend erläutert.

 

Beteiligung des EVS an zwei Forschungsprojekten

Im Rahmen des Nachbarschaftstages wurden auch zwei bereits abgeschlossene Forschungsprojekte zum Thema Spurenstoffe vorgestellt. Zum einen handelte es sich um das vom EVS in Zusammenarbeit mit der TU Kaiserslautern geleitete Projekt zu Kosten und Nutzen von 4. Reinigungsstufen im Bereich der oberen Blies, einem für das Saarland typischen Einzugsgebiet. Mit Hilfe eines Simulationsprogramms wurden die Auswirkungen der Nachrüstung einzelner Kläranlagen mit speziellen Reinigungsstufen zur Elimination von Spurenstoffen auf die betroffenen Gewässer untersucht.

 

Flusslandschaft

Zum anderen wirkte der EVS neben mehreren Partnern, u.a. den Universitäten Luxemburg und Kaiserslautern, am Projekt „EmiSûre“ mit. Das von 2017 bis 2020 gelaufene Forschungsvorhaben diente der Entwicklung von Strategien zur Minimierung des Eintrags von Spurenstoffen sowie eines neuartigen Bodenfilters. Die Sauer als grenzüberschreitendes Gewässer der Länder Belgien, Deutschland und Luxemburg wurde als repräsentatives Flusseinzugsgebiet ausgewählt. Ziel war es, Lösungen für eine kosteneffiziente Spurenstoffentfernung aus dem bereits gereinigten Abwasser kleinerer und mittlerer Kläranlagen im ländlichen Raum zu erarbeiten. Eine Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf ein ähnliches Einzugsgebiet im Saarland ist ebenfalls Teil der Planung. Ein sich daran anschließendes Nachfolgeprojekt wurde bereits begonnen.

 

Weitere Informationen zum Artikel finden Sie hier:

Die DWA | mehr

Spurenstoffe im Abwasser | mehr

Projekt „EmiSûre“ | mehr

EVS-Blog: Mikroplastik in der Umwelt | mehr

 

Bildquellen: EVS (Titelfoto: Kläranlage Homburg)

Autor: Michael Bauer / EVS

 

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