Nichts für schwache Nerven: Bilder aus dem Kanalsystem!

Manchmal landen Dinge in der Kläranlage – das glaubt man gar nicht: Uhren, Gebisse, Spielzeugautos, Handys … Eher unwahrscheinlich, dass diese Gegenstände mit Absicht in der Toilette landen. Vieles, was nicht ins Klo gehört, wird jedoch völlig bewusst runtergespült. Und dann wird’s richtig eklig!

Sie wollen sehen, was passiert, wenn scheinbar harmlose Dinge in die Kanalisation geraten …? Sie denken, Sie sind hart genug? Okay, dann los. Aber sagen Sie nachher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Fördereinrichtung für Rechengut

Hier ist eine komplette Überlastung der Fördereinrichtung für Rechengut zu sehen. Aus dem Abwasser fällt zeitweise so viel Rechengut an, dass die – nach allen Regeln der Technik ausgelegte – Anlage ihre Arbeit einfach nicht mehr schafft. Das liegt nicht etwa daran, dass sie zu schwach ist, sondern daran, dass zu viel Abfall übers Klo entsorgt wird …

Und sieh mal an, hier haben wir sogar einen Putzlappen.

Rührwerk

Wer jetzt denkt, die Kruste sei das Problem: bitte genauer hinschauen! Um die Welle dieses Rührwerks hatten sich so viele Feuchttücher gewickelt, dass das Rührwerk komplett ausgefallen ist und aufwändig repariert werden musste.

Feinsiebtrommel

Mahlzeit! Um die Mittagszeit findet man in der Feinsiebtrommel nicht nur jede Menge Essensreste, auch viele Hygieneartikel haben sich hier angesammelt. Beides gehört eindeutig nicht dorthin.

Fettfang

Im Fettfang sammeln sich die leichten Stoffe an der Oberfläche – wie man hier sieht: Haushalts-Fett im Übermaß. Und auch hier tauchen immer mal wieder Ohrenstäbchen auf – leider!

Schmutzwasserkanäle

So sollte es im Abwasserkanal eigentlich nicht aussehen. Hier deutlich zu erkennen: Öl, Fettklumpen, Essensreste und Feuchttücher. Wer mag da schon das Rad anfassen?

Oh Schreck! Der „Geist“ der falsch entsorgten Dinge … Feuchttücher, Putzlappen und sogar Textilien vereinigen sich auf dem langen Weg zur Kläranlage und bilden große Zöpfe, die ein Durchlassen des Abwassers verhindern.

Querförderer

Hier ist nicht etwa der Kleiderschrank einer Mumie zu sehen, sondern eine Verstopfung des Querförderers. Hier helfen nur noch Geduld und umfassende Reparaturkenntnisse der Kollegen vor Ort.

Pumpen-Saugstutzen

Wo man normalerweise den Saugstutzen der Pumpe gut erkennen kann, hat sich ein Zopfgebilde angesammelt. Auch wenn das fast schon an Kunst erinnert: So sollte es dort wirklich nicht aussehen.

Wenn etwas so aussieht, kann es einfach nicht mehr funktionieren: hier ein „zugewachsener“ Pumpensumpf. So können die Schmutzwasser-Pumpen nicht mehr ansaugen. In den Feuchttuchwalzen werden auch jede Menge Essensreste eingefangen – worüber sich zwar nicht die Mitarbeiter auf der Kläranlage, dafür umso mehr die Ratten freuen …

Zerkleinerer

Feuchttücher, Putzlappen, Windeln und, und, und … Sogar unser Superheld, der Zerkleinerer, steht diesen Dingen einfach nur noch hilflos gegenüber. Dann ist eine mühsame Reinigungs- und Instandsetzungs-Prozedur angesagt.

Rund 2,5 Millionen Kilogramm Abfälle werden pro Jahr allein beim EVS aus dem Abwasser und den Anlagenteilen der Kläranlagen gefischt und entsorgt. Das entspricht einem mittleren sechsstelligen Betrag, nur für die Reparaturen verstopfter Anlagenteile und für die Entsorgung der entfernten Abfälle. Kosten, die leicht vermeidbar wären.

Also, seien Sie nett zu Ihrem Klosett. Mehr dazu finden Sie in unserer „Toilettikette“.

  1. Wow, das sieht ja wirklich erschreckende Bilder. Mein Onkel arbeitet ebenfalls bei der Rohrreinigung, hatte immer davon berichtet allerdings nie Bilder gezeigt. Mein Respekt ist definitiv gestiegen! Ich hoffe diese Bilder lassen mich weniger Abwasser und sonstigen Müll verursachen.

  2. Och, Feuchttücher und Binden,

    eine kleine Geschichte dazu. Bei der Freundin mit ihren 2 Töchter, die das „Oberdeck“ bewohnen, auch ein schöner Fall. Ein „H***Häuschen“ Bj. 36 die Abwasserleitungen ca 1950?? lasierte Tonrohre. Ein halbes Jahr gewundert, warum im Erdgeschoss/Keller die Wände auch im Sommer feucht sind. (Sandstein/Backstein Mauerwerk). Im Oktober letzen Jahres wussten wir es. Der Abfluss der Toiletten Verstotpft, den Heizungsraum geflutet. Mechanischer Rohrreiniger ausgeliehen, 2-3 Eimer Damenbinden und Feuchttücher raus gefischt. 2 Tage später wieder zu, und eine Kanalreinigungsfirma geholt. 10min und 150€ Später alles frei. Nun gut, altersbedingt gedacht, das Abflussrohr im Erdreich zu erneuern. Mit schwerem Gerät den Betonboden aufgerissen, und nach Rohr Freilegung schon das Schwimmbad gesehn. Wasser, dass sich in das Erdreich (Sandboden) bereits gedrückt hat. Oh Freude, das nasse Wände Problem ausfindig gemacht. ca 5 Stunden zu 2. den Heizungsraum auf 3,5m Aufgerissen, die Tonrohre frei gelegt, Dichtungen waren Fehlanzeige. Wohl schon über die Jahre aufgelöst, also das neue KG Rohr rein, zuschütten und Betonieren. Nach weiteren ca 100€ und 16 Stunden endlich den Schaden so weit wie möglich behoben, und wieder schlauer, [Anm.: Satz von der Redaktion gelöscht], bei dem Müllaufkommen fliegen sicher weiterhin die Binden in den Klo. Was wohl auch beide noch nicht wisse, es sind 2 weitere Wohnräume (Bad und Waschküche) noch mit den alten Rohren, der Meissel ist geschmiedet und Ölgehärtet, und wartet nur auf den Hammer. Die Sanierung geht bei erneuter Verstopfung auf deren Kappe. Faulheit muss sich wieder lohnen.

  3. Für die Mitarbeiter ein kleiner Trost,
    es gibt sie noch…..die Menschen, die einen achtsamen Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur pflegen.
    Meinen Respekt gegenüber ihren Mitarbeitern!

    1. Sehr schön zu hören, das macht Mut!

      Viele Grüße
      Simone Schäfer / EVS Blog

  4. Das ist eine große Zumutung für Ihre Mitarbeiter und unsere Umwelt. Die Menschen werden immer gedankenloser und vielen fehlt leider auch ein gewisser Anstand.

  5. Der Folder „ Toilettikette“ in der Saarbrücker Zeitung ist wirklich gut gemacht. Feuchttücher als großes Übel haben wir schon des Öfteren gehört aber jetzt hier im Blog 🤢 auch mal gesehen. Es gibt übrigens auch Feuchttücher, die sich auflösen.

  6. Wäre interessant zu wissen, war dass, im Verhältnis (Bevölkerung) schon immer so, hat dies zu- oder abgenommen, wenn ja seit wann ?

    1. Hallo Herr Schäfer,
      interessante Frage. Ich werde sie Ihnen per Mail beantworten.

      Viele Grüße
      Simone Schäfer / EVS Blog

  7. Bartlewski Kurt-Dieter/Saarlouis

    Die Toilette runterspülen ist ja einfacher als den Müll runterzutragen.Obwohl es ja mitlerweile alle wissen müssten!!!Aber was soll man von einfach strukturierten alles noch verlangen!!!

  8. Vielleicht sollte man den Leuten mal sagen, dass Feuchttücher nicht nur schlecht für das Kanalsystem sondern auch für die Drüsen des Körpers sind.

    1. Hallo Herr Lesch,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
      In unserem Artikel „Do-it-yourself…heute: Feuchttücher“ haben wir die Feuchttücher mal unter die Lupe genommen, vor allem im Hinblick auf die chemischen Zusätze.

      Viel Spaß beim Lesen wünscht
      Simone Schäfer/EVS Blog

  9. Das Schlimmste, das ich mal weggespült habe, waren 20€…die hatte ich in der Gesäßtasche und erst beim abdrücken hab ich es gesehen….konnte leider nur noch hinterher winken.

    Ich hoffe, dass sie nicht zu großen Schaden angerichtet haben.

    Es ist wirklich schlimm, was da anfällt. Ich frage mich, wie man Windeln und Textilien wegspülen kann. Das macht doch keine normale Toilette mit. Da kann ich mich den Vorrednern nur anschließen.

  10. Diese Entsorgungmethoden sind nur etwas für Mitbürger die zu faul sind zur Restmülltonne zu gehen.das Klo ist viel näher.

  11. Da fehlen mir fast die Worte. Ich werde ab jetzt noch sorgfältiger darauf achten, dass keine „falschen“ Sachen in die Kanalisation gelangen

  12. Hans-Joachim Minor

    Ich wusste ja, dass es schlimm ist,, aber so schlimm???!

  13. Jeder der sich so verantwortungslos verhält müsste mal für eine gewisse Zeit in den Kläranlagen kostenlos mitarbeiten.

Hinterlasse einen Kommentar

* (Dieser Name erscheint öffentlich über Ihrem Kommentar.)