Ob Corona oder nicht – die Müllabfuhr macht ihre Schicht!

Sie gehört in der aktuellen Corona-Pandemie zur kritischen Infrastruktur: die kommunale Abfallwirtschaft. Eine funktionierende Abfallentsorgung ist enorm wichtig. Niemand mag sich überquellende Mülltonnen mit all den üblen Folgen vorstellen. Doch wie meistern die Entsorgungsbetriebe die Herausforderungen in der Krise?

Dazu haben wir Björn Althaus befragt. Er ist Betriebsleiter des Neuen Betriebshof Saarlouis (NBS), der neben städtischen Aufgaben vom EVS mit der Abfallbeseitigung in Saarlouis beauftragt ist.

 

EVS-Blog: Herr Althaus, die Corona-Krise hat sicherlich auch vor dem NBS nicht Halt gemacht und gewohnte Betriebsläufe empfindlich gestört. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Leerung der Abfalltonnen weiterhin gewährleisten zu können?

Björn Althaus: Gleich zu Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen wurde festgelegt, dass die Müllabfuhr absoluten Vorrang genießt. Wir haben die dafür zuständige Belegschaft verdoppelt. Aus anderen Tätigkeitsbereichen des nbs mit geringerer Priorität musste deswegen Personal abgezogen werden. In aller Kürze wurden diese Mitarbeiter mit den bei der Abfallentsorgung anfallenden Arbeitsschritten vertraut gemacht.

Um den Abfuhrbetrieb auch im Falle des Auftretens einer Corona-Infektionen und damit verbundener Quarantänemaßnahmen unter allen Umständen aufrecht erhalten zu können, wurden die verfügbaren Mitarbeiter aufgeteilt. Ein Teil arbeitet und ein Teil befindet sich als Reserve zuhause, damit jederzeit ein Austausch stattfinden kann. Zudem haben wir die Aufteilung der Kolonnen umgestellt. Üblicherweise haben wir feste Strukturen. Das bedeutet ein Team auf einem Müllfahrzeug, bestehend aus Fahrer und Ladern, bleibt in seiner Zusammenstellung für gewöhnlich unverändert. Das erleichtert das Zusammenspiel beim Verrichten der Arbeiten. Dem Umstand geschuldet, dass wir die Anzahl der für die Leerung der Tonnen zuständigen Mitarbeiter verdoppelt haben, mussten die Teams nun aber durchmischt werden. Es musste vermieden werden, dass ein neu gebildetes Team nur aus unerfahrenen Kräfte besteht. Erfahrene Leute sind bei der anspruchsvollen Aufgabe einfach unverzichtbar.

Um für den Fall personeller Engpässe gewappnet zu sein, haben wir auch ein Notfallkonzept mit Entsorgungsprioritäten in der Schublade liegen. Die Beseitigung der Abfälle hat, wie eben schon angesprochen, im Sinne der Stadthygiene natürlich Vorrang.

 

EVS-Blog: Wurde die Lage denn schon prekär, sodass die Umsetzung des Notfallkonzepts drohte?

Björn Althaus: Nein, zum Glück nicht. Wir kamen noch nicht einmal in die Nähe eines solchen Szenarios. Nach ca. sieben Wochen außerplanmäßigen Arbeitens sind wir aktuell wieder zum Normalbetrieb mit regulärer Belegschaft zurückgekehrt. Sollte sich die Situation jedoch insgesamt nochmals verschlechtern, werden wir flexibel darauf reagieren und ggf. die Schichten und Belegungen wieder anpassen.

 

EVS-Blog: Können Sie uns einen Einblick geben, was sich alles am Arbeitsalltag der Mitarbeiter geändert hat?

Björn Althaus: Generell lässt sich sagen, dass die ohnehin geübte Hygienepraxis verschärft wurde. Das betrifft zum einen die Fahrten mit dem Müllauto, wenn in der Fahrerkabine mehrere Personen gleichzeitig sitzen und zum anderen auch das Reinigen der Fahrzeuge. Das Tragen einer Maske, ausreichend Desinfektionsmittel, Wasserkanister und Seife sind jetzt Standard.

Um allen unseren Mitarbeitern den maximal möglichen Schutz bieten zu können, haben wir für einzelne Personen nach ärztlicher Rücksprache entsprechend ihrer Risikodisposition individuelle Lösungen gefunden, zum Beispiel das Tragen eines Kunststoffvisiers beim Arbeiten.

Bei der Organisation der Betriebsabläufe achten wir grundsätzlich darauf, die Kontakte zwischen den einzelnen Mitarbeitern zu minimieren. So wurden die Arbeitszeiten gestaffelt, um größere Ansammlungen, z.B. an der Stechuhr, zu vermeiden. Die Mitarbeiter verlassen jetzt auch direkt nach dem Ende einer Tour das Betriebsgelände.

 

EVS-Blog: Haben Sie in den letzten Wochen beim Abfallaufkommen Veränderungen bemerkt?

Björn Althaus: Hier lässt sich klar eine Zunahme der privaten Müllmenge erkennen. Home-Office und Einschränkungen bei der Freizeitgestaltung führen dazu, dass mehr Menschen ihre Zeit zuhause verbringen. Dagegen nehmen die gewerblichen Abfälle ab.

 

EVS-Blog: Spüren Sie, dass in der Bevölkerung die Wertschätzung für das Entsorgen der Abfälle zugenommen hat?

Björn Althaus: Wenn in der Vergangenheit am Leerungstag ein Abfallgefäß mal stehen geblieben ist, fielen die Beschwerden zum Teil emotionaler aus. Das hat sich etwas geändert. Nach dem Erklären der Hintergründe zeigen sich die Leute inzwischen verständnisvoller.

Das gilt auch für den wieder möglichen Besuch des Wertstoff-Zentrums. Strengere Sicherheitsvorschriften, die ja zum Schutz aller Beteiligten gelten, werden akzeptiert. Es war nicht ungewöhnlich, dass Anlieferer in der ersten Phase nach Wiedereröffnung durch die aufwendigen Schutzmaßnahmen über eine Stunde bis zum Entladen warten mussten. Anlieferer und NBS-MitarbeiterInnen haben die erste besonders schwierige Phase nach dem Corona-Lockdown des Wertstoff-Zentrums aber mit großer Geduld und Rücksichtnahme gemeistert.

 

EVS-Blog: Herr Althaus, vielen Dank für die Einblicke in die neue Normalität im NBS-Arbeitsalltag!

 

 

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Bildquelle: EVS
Autor: Michael Bauer / EVS-Blog

 

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