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Ein Blick hinter die Kulissen der Müllabfuhr: Zwei Müllwerker im Interview

Ein Müllauto, das kurzzeitig eine Straße blockiert, sorgt bei vielen Verkehrsteilnehmenden schnell für Unmut. Dabei steckt dahinter eine unverzichtbare Aufgabe: Müllwerkerinnen und Müllwerker stellen sicher, dass die Abfallentsorgung zuverlässig funktioniert und unsere Städte und Gemeinden sauber bleiben. Viele Menschen denken kaum darüber nach, wie viel körperliche Arbeit, Organisation und Aufmerksamkeit hinter dieser Aufgabe steckt.

Sven Prelac und Alexander Horch arbeiten als Lader und Kraftfahrer beim Baubetriebshof Homburg. Anlässlich des Internationalen Tags der Müllabfuhr am 17. Juni berichten sie stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen von ihrem Arbeitsalltag, sprechen über die größten Herausforderungen und Wünsche an die Bürgerinnen und Bürger.

Müllabfuhr in Zahlen

In den 45 Kommunen des Saarlandes, in denen der Entsorgungsverband Saar (EVS) für die Organisation der Abfallsammlung und des Transports zuständig ist, werden über 250.000 Restabfallbehälter sowie mehr als 140.000 Biotonnen regelmäßig entleert.

Die Anzahl der Leerungen verdeutlicht dabei eindrucksvoll den täglichen Einsatz der Beschäftigten der beauftragten privaten Entsorgungsunternehmen sowie der kommunalen Fuhrparks, die in den Städten und Gemeinden unterwegs sind. Im vergangenen Jahr wurden dabei über 2,9 Millionen Leerungen von Restabfallbehältern durchgeführt und rund 2,4 Millionen Biotonnen entleert.

Ein Blick hinter die Kulissen von Sven Prelac und Alexander Horch

Sven Prelac und Alexander Horch – Müllwerker beim Baubetriebshof Homburg (v.l.n.r.)

Früher Start und klarer Ablauf

Beide Mitarbeiter berichten von einem frühen Arbeitsbeginn gegen 6:00 Uhr. Zunächst werden die Touren vorbereitet, danach geht es mit dem Müllfahrzeug in die jeweiligen Bezirke.

Der Arbeitstag ist klar strukturiert: feste Routen, definierte Aufgaben und ein hoher Takt bestimmen den Ablauf. Je nach Einsatzgebiet werden Restmüll oder Biomüll eingesammelt.

Alexander Horch berichtet von Tagestouren bis zu 40 Kilometern. Insbesondere für Lader Sven Prelac kommen noch viele Kilometer zu Fuß hinzu. Bei den großen Touren inklusive Einöd könnten aber auch bis 80 Kilometer zusammenkommen.

 

Intensives Arbeiten unter hohem Zeitdruck

Die Arbeit ist körperlich intensiv. Sven Prelac beschreibt die Dimension deutlich: „Wir haben im Schnitt so 800 Mülltonnen am Tag – pro Lader. Das ergibt unter dem Strich bis zu 20 Tonnen Gewicht – das merkt man schon.“

Auch die Geschwindigkeit spielt eine Rolle: Eine einzelne Tonne – mitunter weit mehr als 100 kg schwer – wird in etwa 7 bis 10 Sekunden geleert, angefangen beim Heranziehen der Tonne vom Bürgersteig bis zum Wiederhinstellen. Danach geht es sofort weiter zur nächsten.

Sven Prelac erzählt rückblickend: „Am Anfang habe ich drei Monate Muskelkater gehabt – mittlerweile ist es Gewöhnung. Und bei schlechtem Wetter hilft nur passende Kleidung. Aber auch diese hilft bei Regen nur bedingt, man muss sich zwangsläufig umziehen, weil man nass wird – aber das gehört dazu.“

 

Verkehr und fehlende Rücksicht als größte Risiken

Sven Prelac und Alexander Horch sehen den Straßenverkehr als größte Herausforderung. Müllfahrzeuge werden oft überholt, obwohl die Situation unübersichtlich ist.

Sven Prelac bringt es auf den Punkt: „Die größte Herausforderung für mich besteht darin, gesund wieder heimzukommen. Viele nehmen überhaupt keine Rücksicht.“

Er beschreibt Situationen, in denen Autos knapp vorbeifahren oder sogar auf den Bürgersteig ausweichen.

Alexander Horch bestätigt: Der Verkehr sei unberechenbar, besonders in Stoßzeiten oder bei Baustellen. „Vor allem ist im Straßenverkehr eine permanente Konzentration erforderlich, um sicher arbeiten zu können. Besonders im Bereich von Schulen oder Kindergärten muss man sehr aufmerksam sein, da Kinder plötzlich auf die Straße laufen können.“

 

Biomüll: Kleine Fehler, große Wirkung

Ein wiederkehrendes Problem ist die Mülltrennung, vor allem beim Biomüll. Falsch entsorgte Abfälle – sei es durch Unkenntnis oder aber eine gleichgültige Haltung nach dem Motto „Müll ist Müll“ – erschweren die Verarbeitung deutlich.

Sven Prelac erklärt: „Im Biomüll ist oft alles drin – das macht die ganze Entsorgung schwieriger. Insofern kann ich für mich klar sagen, dass Biomüll anstrengender ist als Restmüll, da sich diese Tonnen viel schneller leeren lassen. Und bei abgebrochenem Schüttvorgang, wenn die KI in der Biotonne Fehlwürfe erkannt hat, muss die volle Tonne wieder auf den Bürgersteig zurückgerollt werden“.

Er berichtet, dass viele Bürger die Regeln nicht konsequent beachten oder die Auswirkungen unterschätzen. Das führt im Alltag immer wieder zu Diskussionen oder Unverständnis.

 

Zwischen Dankbarkeit, Frust und Begeisterung hinter dem Lenkrad

Trotz der Belastung gibt es auch positive Begegnungen. Besonders ältere Menschen zeigen gelegentlich Wertschätzung, betont Sven Prelac: „Manche bedanken sich wirklich noch – das sind dann schöne Momente.“

Gleichzeitig erleben beide auch das Gegenteil: Beschwerden, genervte Reaktionen und Beschimpfungen gehören leider zum Alltag. „Man legt sich mit der Zeit ein dickes Fell zu“, so Sven Prelac. „Man sollte ruhig bleiben können und sich nicht schnell aus der Ruhe bringen lassen.“

Die Interviews zeigen deutlich: Die Arbeit bei der Müllabfuhr ist anstrengend und wird viel zu oft unterschätzt.

Trotz Verkehr, körperlicher Belastung und schwierigen Bedingungen betonen aber beide, dass sie ihren Job grundsätzlich gerne machen – vor allem wegen der Arbeit an der frischen Luft und der klaren Struktur.

Oder wie Alexander Horch hinzufügt: „Schon als Kind hat mich das Fahren großer Autos begeistert“.

Sven Prelac fasst es so zusammen: „Es ist anstrengend, aber man gewöhnt sich dran – und es muss ja gemacht werden. Es wäre jedoch schön und hilfreich, wenn mehr Menschen Verständnis dafür hätten, dass Müllwerker keine Verantwortung für falsch befüllte Tonnen tragen“.

 

Sven Prelac
Alexander Horch

Ein Dankeschön an die Müllabfuhr

Der Tag der Müllabfuhr bietet die Gelegenheit, die oft übersehene und körperlich anspruchsvolle Arbeit der Müllwerker in den Fokus zu rücken, ihre Leistung wertzuschätzen und ihnen für ihren täglichen Einsatz unter teils schwierigen Bedingungen ausdrücklich Dank auszusprechen.

Weitere Informationen zum Thema Abfall gibt es hier:

EVS-Homepage: Themenkomplex Restabfall | mehr

EVS-Homepage: Themenkomplex Biotonne | mehr

EVS-Blog: Wilder Müll – eine „never ending story“? | mehr

 

Fotos: Tim Peiler (EVS)

Autor: Michael Bauer (EVS)

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