Tag der Flüsse – Wo Gewässerschutz täglich beginnt.
Unsere Flüsse sind Lebensadern. Sie versorgen Mensch und Natur mit Wasser, bieten Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen und prägen die Landschaft. Damit sie diese Aufgaben erfüllen können, müssen sie geschützt werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Kläranlagen des EVS. Hier wird Abwasser gereinigt, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurückkehrt. Was hinter den Kulissen einer Kläranlage passiert, zeigen zwei persönliche Einblicke anlässlich des Internationalen Tags der Flüsse am 27. September.

Eine Kläranlage ist ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Erfahrung und täglicher Verantwortung. Einer, der den Überblick über die Abläufe behält und weiß, worauf es bei der Abwasserreinigung ankommt, ist Manfred Lehnert, Leiter der EVS-Kläranlage Wellesweiler. Im Interview erzählt er, was seine Arbeit ausmacht und welchen Beitrag Kläranlagen zum Schutz unserer Flüsse leisten.
Was hat die Arbeit auf der Kläranlage mit dem Schutz unserer Flüsse zu tun?
Im Grunde geht es um die bestmögliche Reinigung des Abwassers. Das Wasser, das unsere Anlage verlässt, soll in einem Zustand sein, dass es die Gewässer möglichst wenig belastet, deren natürliche Qualität erhalten bleibt.
Zunächst werden aus dem Abwasser Grobstoffe und Sand entfernt. In der biologischen Reinigung bauen Bakterien weitere Schadstoffe ab. Am Ende bleibt das gereinigte Wasser übrig. Es hat natürlich keine Trinkwasserqualität, ist aber klares, gereinigtes Wasser, das wieder in das Gewässer eingeleitet werden kann. Genau das ist der Sinn und Zweck unserer Arbeit: Wir verhindern, dass Verunreinigungen ungeklärt in die Flüsse gelangen.
Welche Herausforderungen gibt es im Alltag?
Das Wichtigste ist natürlich, den Betrieb der Anlage jederzeit aufrechtzuerhalten. Sämtliche Geräte, Maschinen und Einrichtungen müssen regelmäßig kontrolliert, überprüft und gewartet werden.
Hinzu kommt die permanente Überwachung der Wasserqualität. Bei uns ist ein Mitarbeiter im Labor damit beschäftigt, die Werte zu kontrollieren – vom Zulauf über die verschiedenen Reinigungsstufen bis hin zum Auslauf.
Ein großes Problem sind Dinge, die eigentlich nicht ins Abwasser gehören – etwa Hygieneartikel, Faserstoffe oder sogar Kleidungsstücke. Sie können Pumpen verstopfen und Störungen verursachen.
Zum Glück sind wir hier auf der Kläranlage ein gutes Team und haben bei der Arbeit auch viel Spaß miteinander. Eine solche Anlage kann man nur gemeinsam zuverlässig am Laufen halten. Jeder hat seine Aufgaben und am Ende müssen alle Bereiche zusammenspielen.
Welche Bedeutung hat der Klimawandel für die Abwasserreinigung?
Hier geht es insbesondere um die Anpassung der Anlagen an sehr unterschiedliche Zulaufmengen. Während längerer Trockenperioden fließt wenig Wasser durch die Kanalisation. Bei Starkregen können dagegen innerhalb kurzer Zeit enorme Wassermengen ankommen, zusammen mit viel Unrat und Ablagerungen aus den Kanälen. Die Zulaufmenge kann dann schlagartig von 40 auf 600 Liter pro Sekunde ansteigen. Diese enormen Schwankungen muss eine Kläranlage zuverlässig verkraften können. Die extremen Wechsel erleben wir zunehmend als Herausforderung.
Wie wird sich die Abwasserreinigung in Zukunft verändern?
Ein wichtiges Thema ist die sogenannte vierte Reinigungsstufe. Damit sollen unter anderem Arzneimittelrückstände und andere Mikroverunreinigungen noch besser aus dem Abwasser entfernt werden. Gleichzeitig müssen die Anlagen wie angesprochen immer besser auf schwankende Wassermengen und auch neue Umweltanforderungen vorbereitet werden.
Was würden viele Menschen über die Arbeit auf einer Kläranlage vermutlich nicht erwarten?
Viele wären wahrscheinlich überrascht, wie technisch dieser Beruf heute ist. Man hat wesentlich weniger direkten Kontakt mit Abwasser, als sich das viele vorstellen. Wir stehen hier nicht den ganzen Tag im Dreck – ganz im Gegenteil.
Es steckt sehr viel moderne Technik dahinter. Gleichzeitig spielt der Umweltgedanke eine große Rolle. Wir reinigen nicht nur Abwasser, sondern versuchen auch, die darin enthaltene Energie sinnvoll zu nutzen. Aus Klärgas erzeugen wir beispielsweise Strom und Wärme. Es ist schon erstaunlich, was man aus dem, was zunächst einfach nur wie eine „Drecksbrühe“ aussieht, noch alles herausholen und sinnvoll verwerten kann.
Was können Bürgerinnen und Bürger selbst zum Schutz der Gewässer beitragen?
Ganz einfach: Die Toilette ist kein Mülleimer. Hygieneartikel, Faserstoffe und andere Abfälle gehören in die entsprechenden Abfallbehälter und nicht ins Abwasser. Damit lassen sich viele Störungen vermeiden – und gleichzeitig schützen wir unsere Gewässer.

Damit die Technik zuverlässig funktioniert, braucht es Menschen, die sich mit ihr auskennen und auch bei Störungen einen kühlen Kopf bewahren. Einer von ihnen ist Matthias Will. Als Elektroniker auf der EVS-Kläranlage Wellesweiler bringt er seine technische Expertise in den Arbeitsalltag ein und erzählt, was ihn an der Arbeit auf der Kläranlage besonders fasziniert.
Wie kam es zum Wechsel auf die Kläranlage Wellesweiler?
Ich bin eher zufällig auf die Stellenausschreibung des EVS gestoßen. Anfangs war ich skeptisch: Abwasser – ist das wirklich etwas für mich? Aber die Beschreibung hat mir trotzdem gefallen und ich dachte: Ich probiere es einfach.
Schon nach kurzer Zeit hat es mir richtig gut gefallen – vor allem wegen des menschlichen Umgangs. Hier werde ich als Person wahrgenommen und wertgeschätzt. Außerdem gibt es jeden Tag neue Aufgaben und Probleme, für die man eine Lösung finden muss. Genau das gefällt mir.
Welchen Aufgaben und technischen Anlagen gehören zum Arbeitsalltag?
Ich kontrolliere regelmäßig die Anlage und kümmere mich um elektrische Störungen. Eigentlich betreue ich alles, was elektrisch funktioniert: Motoren, Pumpen, Schalt- und Steuerungstechnik sowie Sensorik.
Wie wird bei größeren Störungen reagiert und welche Verantwortung bringt der Bereitschaftsdienst mit sich?
Zuerst muss man einschätzen, wie wichtig das betroffene System für den Betrieb ist. Viele Anlagen sind redundant aufgebaut, sodass man auf ein Ersatzaggregat umschalten kann. Wenn das nicht möglich ist, muss schnell eine andere Lösung gefunden werden.
Ein besonders spannender Einsatz war ein Ausfall des Feinrechens mitten in der Nacht. Durch Geröll war er beschädigt worden – und wir haben davon nur einen. Gerade im Bereitschaftsdienst muss man zunächst selbst einschätzen, wie kritisch die Situation ist. Wie gehe ich jetzt vor? Welche Konsequenzen hat es, wenn ich etwas tue und was kann schlimmstenfalls passieren, wenn nicht reagiert wird? Denn wir haben hier einen großen, zusammenhängenden Kreislauf. Ein zunächst kleines Problem kann sich unter Umständen zu einem sehr großen entwickeln. Das Ziel ist natürlich immer zu verhindern, dass ungereinigtes Abwasser in ein Gewässer gelangt.
Bei größeren Problemen kann selbstverständlich weitere Unterstützung angefordert werden. Aber die erste Einschätzung der Lage und damit auch eine große Verantwortung liegen bei mir.
Welche Bedeutung hat die Elektrotechnik für den Umweltschutz?
Eine moderne Kläranlage ist hoch automatisiert. Das war mir vor meinem ersten Arbeitstag in dem Ausmaß überhaupt nicht bewusst. Praktisch alle mechanischen Komponenten für die Abwasserreinigung werden elektrisch gesteuert.
Meine Aufgabe ist deshalb, dafür zu sorgen, dass die elektrischen Systeme zuverlässig arbeiten und Störungen schnell behoben werden. Eine funktionierende Elektrotechnik ist deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Abwasser ordnungsgemäß gereinigt wird und die Gewässer geschützt werden.
Gibt es einen Moment, in dem du besonders merkst, wie wichtig deine Arbeit für die Umwelt ist?
Ja. Vor allem dann, wenn ein schwerwiegender Schaden oder eine größere Störung auftritt. In solchen Situationen merkt man unmittelbar, welche Auswirkungen ein technischer Ausfall haben könnte und wie wichtig es ist, dass wir schnell und richtig reagieren.


Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:
EVS-Blog: Videoreihe – Wie funktioniert eine Kläranlage? | mehr
EVS Abwasser-Nachschlagebüchlein | mehr
Wissenswertes zum Thema „Was darf nicht ins Klo?“ – Klolektüre“ und „Toilettikette“ | mehr
Titelfoto: die Blies in der Nähe von Wellesweiler
Autor: Michael Bauer, EVS